Badminton: Punktspiel 2. Bundesliga Süd

Marokkanische Salzzitronen und Salz vom Toten Meer. Der Präsentkorb von Ann-Kathrin Spöri war gefüllt mit Zutaten. Der Wirt vom Lieblingsitaliener der Geretsrieder hatte für den Jugend-Bundestrainer von Ann-Kathrin eine Weinflasche dazu gelegt. Wertgeschätzt wird in Geretsried. Die Badmintonabteilung hatte die Jugend-Olympiateilnehmerin geehrt und beschenkt.

Ihr Heimspieldebüt gegen den SV Fun-Ball Dortelweil hatte dann doch eher einen versalzen Geschmack. Das 1. Herrendoppel ging in 4 Sätzen an den Gast und im Damendoppel mit Partnerin, Michelle Deschle, fielen die Standards schwer. „Aufschlag, Aufschlagannahme, nächster Schlag — da hat die Sicherheit gefehlt“, erklärt Ann-Kathrin, „die Spezialisierung auf die Einzeldisziplin bedeutet, dass in meinem Training das Doppelspiel nicht mehr vorkommt.“ 0:2 vor dem 2. Herrendoppel. Nach 2:0-Satzführung für Geretsried gibt verletzungsbedingt Dortelweil das Spiel ab. Ergebnis: 1:2 und Mark Brady kämpft im 1. Einzel gegen den immer wieder mit dem Smash punktenden Gegenspieler. Mark lässt diesen harten Schlag zu oft zu, wünscht sich eine Lösung, die er aber in diesem Spiel nicht findet, nicht umsetzen kann. Beim 1:3-Spielstand schwindet nicht die Hoffnung, aber das Gefühl gut gespielt und gar keinen Punkt gewinnen zu können wird größer.

Die junge 17-jährige Spöri gewinnt ohne Satzverlust ihr Dameneinzel. Der Presse erklärt sie nach dem Match die taktischen Marschrouten so: „Ich bin eine Vier-Ecken-Spielerin, um nicht nur mit langen Rallys zu punkten, gibt es mehr und mehr Finten in den Schlägen von mir und nach einem speziellen Muster attackiere ich den ersten Ball mit einem harten Smash.“

Als ob Noah Gnalian Kenntnis von dieser Aussage gehabt hätte, wuchtet er im Parallelspiel zum 9:6, 10:6 und 11:6 mit jeweils drei sehr harten Smashs den Federball nach unten. Neuer Spielstand 3:3 vor dem Abschlussmatch im Mixed. Es gibt diese Momente in denen man glaubt: „Man kann nicht verlieren“, Michelle Deschle und Partner Samu Gnalian fühlten es sehr ähnlich. Als Samu im vierten Satz einen Cross-Unterhandschlag unerreichbar platzierte. „Die Gegner waren voll im Flow, die bekommen eigentlich jeden Ball“, beschrieb Michelle die Spielsituation, „und bei diesem Cross-Hammer erstarrten sie völlig.“

Der TuS gewinnt 4:3, er verlässt den Platz am Tabellenende. Coach Niesner: „Wir sind alle happy. Das war ein Bonbon für uns.“ 100 Zuschauer feuerten an und freuten sich mit über den Erfolg. „Wir werden weiter gegen den Abstieg spielen, sind jetzt Vorletzter, aber diesen Sonntag kann uns keiner mehr nehmen“, wirkte der Teamorganisator Sascha Gnalian euphorisch und besonnen zu gleich. Er wünschte Ann-Kathrin eine gute Reise und guten Appetit. Ab Donnerstag wird sie zur Jugend-WM nach Toronto in Kanada aufbrechen. Im Gepäck viel Dankbarkeit aus Geretsried.

Text: Uwe Eckhoff